Perivolákia-Schlucht

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Die Perivolákia-Schlucht  heißt nach dem gleichnamigen Dorf an ihrem oberen Ende. Sie ist auch unter dem Namen Kapsás-Schlucht bekannt, da an ihrem unteren Ende das Kloster Moní Kapsás liegt.

Die Perivolákia-Schlucht ist etwa 3,5 Kilometer lang. Im unteren Bereich vom Kloster aus ist sie ziemlich einfach zu gehen (gutes Schuhwerk ist aber auch hier erforderlich). Es gibt Wegmarkierungen in Form von roten Punkten, aber eigentlich kann man sich innerhalb der Perivolákia-Schlucht nicht wirklich verlaufen.

PicturesOG/Kapsaschlucht_gwg2.jpgZuerst führt ein Pfad mit sandigem Untergrund in die Schlucht, später führt er durch das Geröll des Flussbettes weiter (d. h. er überquert oftmals das Flussbett, man wandert mal rechts, mal links).

Mit fortschreitender Strecke werden die Markierungen allerdings spärlicher und es sind immer größere Hindernisse zu überklettern, für die vor allen Dingen etwas kleiner gewachsene Leute eine helfende Hand brauchen (also – und das gilt eigentlich für alle Wanderungen – diese Tour niemals alleine unternehmen). An einer Stelle gibt es allerdings sogar eine Leiter … aber es sind schon viele umgekehrt, bevor sie überhaupt diese Stelle erreichten.

Die Kletterei hat noch lange keine Ende … deshalb sollte man sich überlegen, was man tut. Im Dorf Perivolákia gibt es zwar ein Kafenío, aber man muss ja trotzdem wieder runter (zum Auto). Und der Rückweg oben herum auf einem Pfad ist ca. 3 Kilometer länger. Insgesamt wären also etwa 10 Kilometer zurückzulegen, die geübte Wanderer angeblich in ca. 5 Stunden schaffen sollen … aber ich erwähnte ja ein anderer Stelle schon, dass ich eher ein Flachlandtiroler bin!

 

Sfoungáto (Kartoffel-Omelett)

Zutaten
3 große Kartoffeln
6 Eier
reichlich Olivenöl
Salz, Pfeffer

Zubereitung
Die Kartoffeln schälen und in mittelgroße Würfel schneiden.
Das Olivenöl in einer großen beschichteten Pfanne erhitzen, die Kartoffelwürfel hinein geben und  mit einem Deckel abdecken. Die Hitze reduzieren und die Kartoffelwürfel nun bei mittlerer Hitze etwa 20 Minuten braten, dabei ab und zu wenden.

Die Eier in eine tiefe Schüssel oder Topf aufschlagen und mit Salz und Pfeffer kräftig würzen, dann gut vermengen. Nun die Kartoffelwürfel mit einem Schaumlöffel o. ä. aus der Pfanne heben, kurz abtropfen lassen und nach und nach in die Eimischung geben, wiederum alles gut umrühren.

Das Öl bis auf einen kleinen Rest aus der Pfanne entfernen, dann die Ei-Kartoffelmischung in die Pfanne geben und das Omelett braten. Wenn es gut gestockt ist, das Omelett wenden und auf der anderen Seite weiter braten und dann sofort heiß servieren.
Je nach Geschmack können auch Kräuter nach Wahl, Paprika-Pulver oder auch Kümmel zugefügt werden.

Das Omelett kann als Vorspeise oder auch als Hauptgericht gegessen werden, es reicht dann entweder für 4 bis 6 oder 2 Personen.

Rezept von Dörte

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Kreta Büchertipps Teil 2

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Thomas Balistier
Der Diskos von Phaistos

Die Entzifferungsgeschichte des Diskos von Phaistos, eines der bedeutendsten Fundstücke der minoischen Kultur.
Sedones 1
Verlag Dr. Thomas Balistier
ISBN 978-3-9806168-1-2

 

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Ulrich Kadelbach
Weihrauch und Ziegenkäse

Synkretistische Geschichten
Alltagsgeschichten zur Orthodoxie, Liturgie und Mythologie
Sedones 4
Verlag Dr. Thomas Balistier
ISBN 978-3-9806168-4-3

 

 

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Arn Strohmeyer
Dichter im Waffenrock

Erhart Kästner in Griechenland und auf Kreta 1941 bis 1945
Sedones 7
Verlag Dr. Thomas Balistier
ISBN 978-3-937108-07-0

 

 

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Patricia Highsmith
Die zwei Gesichter des Januars

Ein „Kreta-Krimi“ der Altmeisterin.
Diogenes Verlag (TB)
SBN 978-3-257-23409-1

 

 

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Georgallidis, Sophia (Hrsg,)
Sechzehn kleine griechische Verbrechen

Eine Anthologie literarischer griechischer Krimis
Romiosini Verlag
ISBN 978-3-929889-80-2

 

 

 

 

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Lily Zografou
Die Frauen der Familie Ftenoudos
Eine Parabel über aufgezwungene Moralvorstellungen und Verbote, gegen Lüge und Selbstbetrug.
Verlag Dr. Thomas Balistier
ISBN 978-3-937108-01-8

 

 

 

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Ulrich Kadelbach
Schatten ohne Mann

Eine Auseinandersetzung mit der deutschen Besetzung Kretas im 2. Weltkrieg
Sedones 5
Verlag Dr. Thomas Balistier
ISBN 978-3-9806168-5-0

 

 

 

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Hans Prescher
General Kreipe wird entführt

Eine der wagemutigsten Aktionen des Zweiten Weltkriegs: die Entführung des deutschen Generalmajors Heinrich Kreipe im April 1944 auf der Insel Kreta.
Sedones 9
Verlag Dr. Thomas Balistier
ISBN 978-3-937108-11-7

 

 

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Michael Schnell
Blaues Meer und hohe Berge

Wandern, laufen, trekken – 23 Tage unterwegs, allein, immer draußen in freier Natur, auch nachts.
Verlag Dr. Thomas Balistier
ISBN 978-3-937108-17-9

 

 

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Petros Markaris
Der Großaktionär

Die Tochter von Kommissar Kostas Charitos fällt in die Hände von Terroristen.
Diogenes Verlag (TB)
ISBN 978-3-257-23787-0

 

 

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Petros Markaris
Live!

Ein Bauunternehmer erschießt sich vor laufender Kamera. Kostas Charitos ermittelt wieder.
Diogenes Verlag (TB)
ISBN 978-3-257-23474-9

 

 

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Petros Markaris
Nachtfalter

Kommissar Charitos ist krank. Eigentlich sollte er sich ausruhen und von seiner Frau verwöhnen lassen. Doch so etwas tut ein richtiger Bulle nicht.
Diogenes Verlag (TB)
ISBN 978-3-257-23353-7

 

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Petros Markaris
Die Kinderfrau

Eine neunzigjährige Kinderfrau hat noch alte Rechnungen zu begleichen.
Diogenes Verlag (HC)
ISBN 978-3-257-06696-8

 

 

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Hans-Joachim Vormann
Kalamaki Affairs

Die Geschichte einer heiter-sentimentalen Jagd nach der vollkommenen Liebe.
Verlag Dr. Thomas Balistier
ISBN 978-3-937108-00-1

 

 

 

 

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Eideneier, Hans
Ärmellos in Griechenland

Eine unterhaltsame Betriebsanleitung für Griechenland, die griechische Sprache, ihre Etymologie und zeitlose Präsenz im Deutschen.
Romiosini Verlag
ISBN 978-3-929889-86-X

 

 

 

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Jürgen Bosch
Melambés oder Die Frau vom Strand

Ein kretischer „Rauschgiftkrimi“
Verlag Dr. Thomas Balistier
ISBN 978-3-937108-15-5

 

 

 

 

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Hannah Gudrich, Gerold Dommermuth-Gudrich
Das Gold von Megalochório
Zwei deutsche Touristen verirren sich beim Wandern im Frühling an der Südwestküste Kretas in eine unwegsame Schlucht und finden eine Leiche. Als sie von ihrem grausigen Fund berichten, zeigen die Dorfbewohner ihnen die kalte Schulter.
Verlag Dr. Thomas Balistier
ISBN 978-3-9806168-7-4

 

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Eva Schubeck
Kreta ist ein Land im dunkelwogenden Meere

Ein Reisebuch
Selbstverlag

 

 

 

 

 

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Peter Ettl
Der Wind kam von Afrika

Kretisches Tag- und Nachtbuch
Sehr lustige und auch manchmal
nachdenkliche Geschichten über Kreta
Silver Horse Edition

 

 

 

 

 

 

 

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Peter Ettl
Nachmieter für den Olymp gesucht

Nachdenkliches über Kreta
und Griechenland
Silver Horse Edition

 

 

 

 

 

Kreta – wie alles begann

Von Roswitha und Franz Heinrich
Es war einmal vor vielen Jahren – müssen so ca. 20 sein – eine heiße Diskussion mit Bekannten bezüglich Urlaub. Diese verbrachten seit Jahren immer ihre wohlverdienten Ferien in der gleichen Destination. Dies konnten und wollten wir einfach nicht verstehen. Wir konnten keine, wie immer gearteten Argumente akzeptieren – Geld, einfache Anreise wegen der Kinder, etc.
Für uns jedenfalls stand fest: wir wollen offen sein für viele Länder und Kulturen. Wir wollen und werden jedes Jahr etwas Neues entdecken …

PicturesKJ/Kreta_xyz1.jpgIn diesem Jahr war Kreta unser Reiseziel. Als „TOURISTEN“ genossen wir die Tage auf dieser Insel. Es war ein wunderschöner Urlaub – es passte einfach alles: Hotel, Klima, Ausflüge, usw. Doch alles geht dem Ende zu. Wir waren in Richtung Flughafen Chaniá mit dem Bus auf der New Road unterwegs. Sonnenuntergang, blutroter Himmel, tolle Wolkenstimmung, silberglänzendes Meer und schwarze Berge, aus den Buslautsprechern tönte blechern griechische Musik – diese, wirklich unter die Haut gehende Stimmung hatten wir noch nie zuvor und noch nirgendwo erlebt. … Und etwas für uns Unbegreifliches passierte: wir entschlossen uns, irgendwann einmal wieder nach Kreta zu kommen.

Nach nur zwei Jahren war es soweit. Wir flogen nach Kreta, wieder in das gleiche Hotel. Sofort nach der Ankunft machten wir eine – für uns unbegreifliche – Erfahrung mit den Kretern: Stavros, der Barkeeper, meinte sofort als er uns sah: „Ihr seid doch schon mal hier gewesen! Herzlich willkommen zurück!“ Und das in einem großen Hotel mit 560 Zimmern. Wenn man bedenkt, dass ein Zimmer mit zwei Personen belegt ist, normalerweise ein Turnus mit zwei Wochen berechnet wird und die Saison von April bis Oktober dauert, ist es doch fast unvorstellbar, dass man aus dieser Vielzahl an Gästen einfach zwei wieder erkennt. Doch es war nicht nur im Hotel so. In der kleinen Taverne, im Supermarkt, sogar der Taxifahrer, überall hieß es: „Willkommen zurück!“ Dieses Jahr hatten wir Kreta als GÄSTE besucht.
Und ein Virus befiel uns …

Mittlerweile waren wir schon ca. 20 mal auf dieser wunderschönen Insel. Mindestens einmal im Jahr kommen wir hierher, als FREUNDE, wie uns immer wieder versichert wird. Mit jedem Jahr wird es „anstrengender“ und „stressiger“, vor allem aber auch immer herzlicher. Von Sightseeing kann bei uns keine Rede mehr sein – wir sind ausgelastet mit Besuchen bei Stavros, Nikos, Michalis, Giannis und wie sie alle heißen.
PicturesKJ/Kreta_xyz2.jpgKretische Gastfreundschaft muss man einfach erlebt haben. Das zählt weitaus mehr als Besichtigungstouren, All Inclusive-Clubs, etc. Auf Kreta ist einfach der Mensch „all inclusive“. Davon zehrt man das ganze Jahr!

Nun werden wir ständig von unseren Bekannten gefragt: „Was treibt euch eigentlich jedes Jahr nach Kreta? Woanders gibt es doch auch schöne Strände und gute Hotels?“
Unsere Antwort ist ein Zitat von Nikos Kazantzakis: „Du musst Kreta mit dem Herzen sehen“. Was es wirklich genau ist, können auch wir nicht sagen. Es ist einfach ein Gefühl.
Das Logo unseres Hotels (zwei Schwalben) stammt von einem Fresco, 1750 v. Chr. und bedeutet „Heimkehr“. Wir hoffen, dass wir noch oft nach Kreta heimkommen können!
Von Roswitha und Franz Heinrich

Völkerverständigung

Von Elke Schroeder
Kürzlich war mein Freund Diomidis zu Besuch. Gegen Abend bat er mich, den Fernseher einzuschalten, um die griechischen Nachrichten zu verfolgen. Wir freuten uns wie die Kinder, weil der Moderator männlich war und stellten den Ton auf ohrenbetäubend. Griechische Moderatorinnen verlesen die neuesten Meldungen in Frequenzbereichen, die einem sopranistischen Terroranschlag auf das menschliche Innenohr gleichkommen. Selbst der Gesang eines einzelnen Schwertwals bei hohem Seegang hat keine derart verheerende Wirkung. Der Lautstärkeregler eines griechischen Fernsehgerätes kommt mit zwei Stufen aus:

Stufe 1: unhörbar
Stufe 2: infernalisch

Stufe 1 (unhörbar) tritt in Kraft, wenn
a) der Nachrichtensprecher weiblich ist oder
b) sich die Familie in Trauer befindet oder
c) der Gatte heimlich auf die nackten Mädels von Pol-Sat umschaltet, weil die Ehefrau endlich schläft.

Stufe 2 (infernalisch) erfreut sich großer Beliebtheit, wenn
a) der Nachrichtensprecher männlich ist oder
b) Fußballübertragungen gezeigt werden oder
c) das Gekreisch der zänkischen Ehefrau übertönt werden muss, die die nackten Mädels von Pol-Sat entdeckt hat.

Als die Nachrichten zu Ende waren, lehnte Diomidis sich zufrieden zurück. Eine Weile saßen wir in einträchtigem Schweigen zusammen. Dann schaute er mich erwartungsvoll an. Ich wusste nur zu gut, was sein Blick zu bedeuten hatte. Es war immer das gleiche mit Diomidis. Gleich nach den Nachrichten packte ihn der unheilvolle Drang, mich einem Kreuzverhör zu unterziehen. Stets fiel ihm etwas ein, was mir hätte auffallen sollen. Meistens handelte es sich um eine Nichtigkeit, die nur im entferntesten Sinne mit den Nachrichten zu tun hatte. Ein besonders fettes Insekt beispielsweise, das an der Außenmauer des Athener Parlamentsgebäude entlangkroch, oder eine vollbärtige Dame mit Enkelkind, die versehentlich für den Bruchteil einer Sekunde vom Sucher der Kamera erfasst wurde. In beiden Fällen – des Insekts wie auch der vollbärtigen Dame – war es zwischen Diomidis und mir zu einer heftigen Auseinandersetzung gekommen. Immer zeriss sein extremer Patriotismus jedes meiner Argumente in der Luft, analysierte und sezierte es so lange, bis es unansehnlich ausgebreitet vor unseren Füßen lag. Bei der bärtigen Dame war es besonders schlimm. Damals beschuldigte er das deutsche Kind der Lieblosigkeit.

„Hab ich hier auf deutschem Boden schon jemals eine bärtige Dame in Begleitung ihres Enkelkindes gesehen?“ fragte sich Diomidis.
Sicherheitshalber gab er sich die Antwort sogleich selbst:
„Nein, natürlich nicht! Die perfekten Kinderchen schämen sich in Grund und Boden. Omas mit Bartwuchs sind biologische Unfälle. Ein Fall für das Kuriositätenkabinett! Bah…!“
Ich lachte.
„Sei nicht albern!“
„So, du lachst also?“
Diomidis schäumte über.
„Hergott, Diomidis, deine haarsträubenden Behauptungen sind eben lustig. Was kann ich dafür, wenn mich dein herrlicher Zynismus zum Lachen bringt?“

Ich versuchte es bereits mit Schmeicheleien.
„Deutsche Kinder sind genauso liebesfähig wie griechische. Außerdem sind sie einfach unschuldig. Also lassen wir das Thema jetzt!“
Diomidis war da anderer Ansicht. Mit theatralischer Bedächtigkeit holte er zum nächsten Schlag aus:
„Weißt du, was euer Problem ist? Ihr habt kein Herz im Leib. Also, woher sollen eure Kinder es besser wissen? Aus Stein wird kein Fleisch geboren.“
Augenblicklich erhob mein Zorn sein Haupt:
„Das brauche ich mir nun wirklich nicht anzuhören. Diese Unterhaltung führt zu überhaupt nichts. Du bist unsachlich und unfair.“
Ärgerlich stand ich auf und leerte den übervollen Aschenbecher aus.

Diomidis rief aus dem Wohnzimmer:
„Typisch, wenn dir die Argumente ausgehen, beendest du einfach das Thema. Machst ‚Schnipp‘ und gehst zur Tagesordnung über.“
„Was, bitte schön, soll ich zu deinem lächerlichen Argument sagen? Dass wir eben Steinmenschen in einem Land aus Steinherzen sind, das sich an Menschen mit unkontrolliertem Haarwuchs bereichert? Ist es das, was du hören willst?“
Jetzt war es an Diomidis, zu lachen.
„Es ist unbestreitbar, dass ihr bei der Vergabe menschlicher Wärme zu kurz gekommen seid.“
„Siehst du, es hat keinen Sinn, mit dir zu diskutieren“, rief ich ihm aus der Küche zu.
„Außerdem konnte ich nicht ahnen, daß bärtige Frauen so wichtig für dich sind. Jedenfalls waren sie bisher kein Thema für mich.“
Diomidis kam mir in die Küche hinterher. Angriffslustig lehnte er im Türrahmen.
„Ach ja, und warum waren sie bisher kein Thema für dich?“
„Weil wir hier in Deutschland keine bärtigen Omas haben, der Hormonhaushalt der deutschen Frau ausgewogen ist und die Ärzte im Notfall auch zur Stelle sind. So einfach ist das!“

Diomidis knallte die Tür, als er ging.
Von Elke Schroeder

Völkerverständigung Teil 2

Von Elke Schroeder
Es dauerte zwei Wochen, bis die Sache vergessen war.
Diesmal wollte ich um jeden Preis einen Streit verhindern. Also ignorierte ich seine erwartungsvolle Haltung und wandte mich seinem Lieblingsthema zu: Die Schönheit der griechischen Flagge.
„Diesmal war sie besonders hübsch anzusehen, findest du nicht?“ fragte ich einfältig und grinste wie eine Schwachsinnige.

Diomidis war irritiert, und das war gut so.
„Was war hübsch anzusehen?“
„Na, eure Flagge. Sie hatte heute dieses satte Blau, schien mir einen Ton dunkler als sonst. Die Streifen stachen daraus hervor wie Enzianblüten an einer Felswand. Es war ergreifend.“
Für einen kurzen Augenblick spiegelte sich pure Freude auf seinem Gesicht. Bald darauf wurde er misstrauisch und am Ende hatte er den Braten gerochen.

„Ja, ja die Flagge. Ich weiß schon. Sie werden sie gewaschen haben. Aber was viel wichtiger ist …“
Er erhob den Zeigefinger wie ein Lehrer:
„Was ist dir sonst noch aufgefallen?“
Ich zuckte die Schultern und räusperte mich unbehaglich.
„Nichts, nur dass der Moderator etwas verschnupft war.“
Diomidis begab sich in kerzengerade Haltung und erklärte:
„Ist dir nicht aufgefallen, daß hinten rechts im Regal des französischen Premiers ein Französisch-Griechisch Lexikon stand?“
„Wie um Himmels willen fällt dir immer etwas derart Nebensächliches auf?“ wollte ich wissen. Und schon hatte ich das Stichwort zur Diskussion gegeben.
„Interessant! Das Französisch-Griechisch Lexikon ist also Nebensache für dich?“ hob Diomidis an. Automatisch setzte ich mich in Gefechtsposition.

„Nein, so habe ich das auch wieder nicht gemeint. Aber in Anbetracht der Rede des französischen Premiers zum Thema Europa und Währungsunion war sein Bücherregal im Hintergrund eher nebensächlich.“
Diomidis ließ meine Erklärung nicht ohne weiteres gelten. Er belehrte mich:
„Merke: Am kleinen Indiz erkennt man den Mörder.“
Ich lachte laut auf.
„Willst du jetzt Frankreichs Präsidenten des Mordes bezichtigen?“

Diomidis schlug sich gereizt auf die Stirn und stöhnte laut auf. Die folgenden Worte formte er so langsam und bedächtig, daß ich sie auch mühelos von seinen Lippen hätte ablesen können.
„Was ich meine ist, wenn schon Frankreichs Staatspräsident unsere Sprache in seinem Regal hat, entwickelt sich in Europa vielleicht doch noch das wahre Bewusststein.“
Ich verdrehte die Augen.
„Sag es nicht, bitte!“
„Warum soll ich es nicht beim Namen nennen? Ich sage es sogar laut und deutlich: Auf der ganzen Welt sollte Griechisch gesprochen werden“
„Ach ja? Warum?“
„Weil es die beste aller Sprachen ist. Sie ist alt, schwer und ungeheuer faszinierend.“
„Das mag ja sein“, gab ich zu bedenken. „Aber Handelssprache ist und bleibt Englisch. Und das wird vorerst so bleiben.“

Diomidis grunzte unzufrieden und zog die Stirn kraus. Sein Blick streifte mich kalt, bevor er fragte:
„Was heißt hier: DAS MAG JA SEIN? Warum sagst du das so abwertend? DAS MAG JA SEIN bedeutet für mich: Griechisch ist hässlich und leicht zu lernen.“
„Das ist ja lächerlich“, rief ich ungewollt heftig aus.

Weil ich mich nicht aufregen wollte, erhob ich mich vom Sofa, nickte Diomidis kurz zu und verschwand auf die Toilette. Für mich ist sie der beste Ort zur Sammlung. Nirgends sonst wird man sich der eigenen Persönlichkeit derart bewusst wie auf der Klobrille. Es liegt wohl daran, dass man seine Ruhe hat und nicht abgelenkt wird. Ich dachte angestrengt nach. Vernünftig mit Diomidis zu diskutieren gleicht dem Versuch, einem Haifisch einen Kuss abzuringen. ‚Ja und Amen‘ zu sagen, bringt ihn nur noch mehr in Rage und führt zu gar nichts. Also musste ich es mit Schmeicheleien versuchen.

Als ich mir eine Strategie ausgedacht hatte, betätigte ich die Toilettenspülung und kehrte zum Sofa zurück. Besorgt stellte ich fest, daß mein Freund sich zwischenzeitlich nicht einen Millimeter gerührt hatte. Er wartete auf die Gelegenheit, explodieren zu können.
„Also hör zu!“ sagte ich ruhig. „Du weißt, ich liebe die griechische Sprache …“
„Stimmst du mir auch zu, dass sie alt, schwer und ungeheuer faszinierend ist?“ unterbrach er mich.
„Natürlich ist sie schwer. Wer sie lernt, kann ein Lied davon singen. Deshalb kommt sie als Handelssprache erst gar nicht in Frage. Erschwerend hinzu kommt euer anstrengendes Schriftbild. Allein wegen der fünf ‚i’s‘ käme der gesamte Welthandel zum Erliegen.“

Diomidis schwankte deutlich zwischen Stolz und Zorn.
„Dann sollen sie gefälligst die fünf ‚i’s‘ lernen. Auch ich habe sie lernen müssen.“
„Du sprichst sie, sicher, aber kannst du sie auch schreiben?“
Diomidis errötete.
„Was tut das jetzt zur Sache?“
„Na bitte, da hast du’s. Selbst der Grieche kann seine Sprache nicht schreiben.“
Triumph prasselte auf mich nieder wie ein sommerlicher Platzregen. Als Diomidis schwieg, wurde aus dem Platzregen eine Sintflut. Plötzlich tat er mir leid. Zum Glück fiel mir ein Beispiel ein:
„Nimm die Drachme, Diomidis, auch die ist alt, schwer und ungeheuer faszinierend. Trotzdem wird der Euro sie ablösen. Man hat sich eben geeinigt.“

Diomidis Augen wurden hart.
„Ha! Du willst mir etwas über unsere Währung erzählen? Kennst du die Entstehungsgeschichte der Drachme? Schon im 7. Jahrhundert v. Chr. prägten wir auf Mykene die erste Münze und ihre Kaufkraft war außerordentlich hoch.“
„Ja, und dann seid ihr maßlos geworden, habt eure Ernten und Töchter verkauft, um eure Gesichter im Glanz der Drachme zu spiegeln.“
„Und ihr mit eurer D-Mark führt euch in Griechenland auf wie die Götter!“

Der Platzregen versickerte im Erdreich. Ich verlor langsam die Beherrschung!
„DAS, MEIN LIEBER DIOMIDIS …“, schrie ich, „… SIND WIR IM VERGLEICH UNSERER BEIDEN WÄHRUNGEN AUCH!“
„WIR HABEN EURE WÄHRUNG NICHT NÖTIG!“ schrie Diomidis zurück.
„IHR NEHMT SIE ABER GERNE AN! IHR WÜRDET DOCH JETZT NOCH AUF ESELSPFADEN TRAMPELN, WENN UNSERE D-MARK EUCH NICHT SCHON JAHRELANG HUCKEPACK TRAGEN MÜSSTE.“
Diomidis wurde weiß um die Nase.

Von oben klopfte mein Nachbar dreimal mit dem Besenstiel auf den Boden.
Diomidis Gesichtsfarbe kehrte nur langsam zurück. Das gleichmäßige Zittern seiner aufgeblähten Nasenflügel verriet großen Zorn. Mühsam rang er um Beherrschung, bevor er fortfuhr:
„Gut, ok, langsam, wir drehen uns im Kreis. Du selbst hast das Thema Drachme auf den Tisch gebracht. Du sagtest, sie sei alt, schwer und ungeheuer faszinierend. Erkläre mir das näher!“
„Da gibt es nichts weiter zu erklären“, erwiderte ich völlig ermattet.
„Aha! Du machst also wieder einfach ‚Schnipp‘ und entziehst dich einer stichhaltigen Argumentation. So geht das nicht.“

Meine Geduld war aufgebraucht. Mit festem Blick sah ich in Diomidis zusammengekniffene Augen.
„Du willst also ein stichhaltiges Argument? Also gut, hör zu: Es ist ungeheuer faszinierend, wie alt und schwer eure Münzen sind, dass ihr Gewicht jedes europäische Portemonnaie zerstört. Kein Land der Welt hat eine derart ungehobelte Währung.“
Es folgte minutenlanges Schweigen, unterbrochen nur vom rythmischen Trommeln von Diomidis’ Fingern auf der Tischplatte. Schließlich stand er auf und bewegte sich Richtung Haustür. Bevor er ging, schleuderte er mir einen letzten Satz ins Gesicht:
„Du wirst schon sehen. In Kürze werden weltweit alle Computer auf griechisch umgestellt.“
„Ja!“ rief ich meinem Freund hinterher. „Und der nächste Papst wird eine Frau!“

Irgendwann haben wir uns wieder versöhnt. Noch immer kommt Diomidis zu Besuch, aber wir schauen uns keine griechischen Nachrichten mehr an. Einzig erlaubt sind musikalische Werbeunterbrechungen.
Mittlerweile denke ich jedoch ernsthaft darüber nach, auch das zu unterbinden, denn nach einem der letzten Konzertausschnitte glaubte ich meinen Ohren nicht zu trauen:
„Ist dir das auch aufgefallen?“
„Was?“ fragte ich alarmiert.
„Das Mikrofon. Es kam aus Japan!“

Von Elke Schroeder

Kloster Arkádi

Das Kloster Arkádi –
Monument und Zeuge des griechischen Freiheitskampfes
Von Wolfgang Neuser

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Kreta in einem halben Tag

Von Armin G.

Eine unglaubliche, aber wahre Geschichte über eine Odyssee quer durch die Insel. Nur die Namen von Personen und Hotels sind verfremdet.

Vorwort
Bereits seit Jahren spielen wir mit dem Gedanken, einmal auf Kreta überzusetzen. Nachdem wir die Peloponnes schon fast unsere zweite Heimat nennen würden, wir Korfu in- und auswendig kennen, von Thessaloníki bis Kap Soúnion, von Igoumenítsa bis Vólos fast alle Sehenswürdigkeiten des Festlandes abgegrast sind, soll es dieses Jahr endlich passieren.

Wir haben uns gut vorbereitet, die Kreta-Fibel ausführlich studiert, Fähren- und Hotelzimmer von zu Hause aus gebucht, es kann eigentlich nichts schief gehen, zumal wir keine Griechenlandanfänger mehr sind. Und Kreta ist doch auch Griechenland, oder?

Wir fahren nach Kreta und freuen uns wie die Könige, so viel haben wir schon gehört und gelesen über die große griechische Insel.

Wie schon seit über zehn Jahren haben wir in Toló im Hotel unseres Freundes Dimitris auf der Peloponnes zwei wunderschöne Urlaubswochen verbracht, in den nächsten beiden Wochen wollen wir den kleinen Kontinent zwischen Europa und Afrika erkunden. Und der Tag der Weiterreise ist gekommen.

Mittwoch, 28.09.1999
Der Tag davor.
Um viertel neun Uhr mache ich mich auf den Weg in den Frühstücksraum, ich brauche dringend eine Stärkung, bevor ich den Wagen bis unter das Dach belade. Wir haben den halben Yper-Market leer gekauft, Wein, Olivenöl und andere Leckereien für zu Hause sowie noch eine Kretakarte – sicher ist sicher! Wer weiß denn schon, ob es auf Kreta auch so einen tollen Supermarkt gibt.

Nach einer Stunde bin ich fertig, total durchgeschwitzt stelle ich mich unter die Dusche, mangels Badeschlappen, die sich natürlich ganz unten in der Reisetasche im Kofferraum befinden, stehe ich dabei auf einer zerfetzten Plastiktüte. Ist griechisch improvisiert und beugt dem Fußpilz vor. Wie immer am Morgen ist die Dusche eiskalt, die Sonne scheint ja noch nicht so lange.

Zahlen dürfen wir auch noch, die vorsorglich bereits vor ein paar Tagen verlangte Rechnung ist endlich fertig, handgemalt natürlich. Bei Hochbetrieb in der Rezeption, es ist Abreisetag, müssen wir zig Euroschecks ausstellen, jedes Jahr die selbe Prozedur. Da könnte ich einen richtigen Hass bekommen.

Nicht, daß mir Dimitris nicht traut, es liegt an seiner Bank, die die Schecks nur dann annimmt, wenn sie den Höchstbetrag von 45.000 Drachmen nicht übersteigen. Also stellen wir halt ein paar Schecks aus, wir haben Urlaub und daher jede Menge Zeit.

Als Entschädigung für das Ungemach erhalten wir zwölf Prozent Rabatt „for friends – gia filous“, – Dimitris wechselt fließend zwischen dem Englischen und dem Griechischen, damit es die beste aller Reisebegleiterinnen auch versteht – die Gemüter beruhigen sich wieder.

Wir sagen der Argolís adieu, auf der neuen Autobahn gelangen wir zum Kanal von Korinth, wo es gemäß alter Sitte köstliche Souvlakistäbchen gibt, vielleicht die besten auf dem Festland. Über den „Highway under Construction“ kommen wir schließlich zur Ausfahrt Piräus. Das Verkehrsschild hat auch schon bessere Zeiten erlebt, es ist total verbogen, halb umgefahren und daher fast unleserlich, griechisch eben.

Durch das Verkehrsgewühl der Hafenstadt erreichen wir erstaunlich flott die Odós Aigaléo, die nach rechts abzweigt und direkt zum Hafen führt. Punkt zwei Uhr sehen wir die Schiffe vor Anker liegen, nur die Hafeneinfahrt müssen wir etwas länger suchen, da das Tor zu den Kretafähren noch geschlossen ist und wir den ganzen Hafen umrunden, um einfach auf der anderen Seite einzufahren.

Jetzt ist es dreiviertel vier Uhr, wir sitzen im Hafencafé mit Blick auf die King Minos, die uns anstelle der in Deutschland gebuchten Nikos Kazantzakis nach Kreta bringen wird. Die Tickets sind schon abgestempelt, um halb fünf Uhr sollen wir einschiffen können.

Jetzt fragen wir uns nur noch, ob es auf Kreta wirklich 36 °C hat, so wie ich es gestern in der Zeitung gelesen habe. Falls ja, wird der Aufenthalt im nicht klimatisierten und bereits vorgebuchten Hotel Castellios vor allem nachts vielleicht etwas unangenehm warm werden.

Das Hotelzimmer haben wir bereits von Deutschland aus per Fax reserviert, die Adresse habe ich aus den Greek Travel Pages, die ich mir im Vorjahr gekauft habe. Das Castellios in Plakiás hinterließ dabei einen sehr guten Eindruck und bekam wegen des besseren Strandes den Vorzug vor dem Irini-Mare in Agía Galíni.

Nachdem ich den Einweiser zum fünften Mal mit der Frage nerve, ob wir schon an Bord kommen dürfen – parakaló –, winkt er uns genervt auf die elf Jahre alte Fähre. Elf Jahre bedeuten, dass das Schiff zwar nicht auf dem absolut neuesten Stand, aber durchaus annehmbar ist.

Die Zeit bis zum Ablegen verbringen wir voller Vorfreude mit Duschen, bei einem Kaffee in der „Distinguished-Class-Bar“ (es gibt hier wirklich noch eine erste Klasse) sowie auf Deck, wo wir das Ablegen beobachten. Zu meinem Erstaunen ist die Fähre ziemlich voll, vor allem Griechen nützen diese preiswerte Beförderungsmöglichkeit. Andere Touristen treffen wir fast keine.

Um acht Uhr legen wir ab, die Durchsage auf Deutsch lautet kurz und prägnant: „Achtung, letzte Meldung, das Schiff legt ab“. Wahrscheinlich war der Ansager einmal beim Militär.

Auf Wiedersehen Piräus, Kreta wir kommen.

Das Abendessen im Restaurant ist super und preiswert. Auf der innergriechischen Linie ist dasselbe Essen einige Drachmen günstiger, als auf der internationalen Route. Es gibt sogar Schnitzel mit Kartoffelbrei, wir entscheiden uns aber für Rindfleisch mit Reisnudeln sowie zwei sehr ölige Salate. Dazu trinken wir Bier und minoischen Rotwein.

Den Nachttrunk nehmen wir in der Bar ein, die gut besucht und total verqualmt ist. Schon wieder ist Champions-League-Tag und alle sitzen vor den Fernsehern, um lautstark einen Sieg von Olympiakos Piräus bejubeln zu können. Um halb elf Uhr sind wir müde und gehen in die Kabinen. Während meine Chefin sofort einschläft, liege ich noch lange wach und wälze mich hin und her.

Sollte es doch so etwas wie Vorahnungen geben? Nööö, alles wird gut.

Mittwoch, 29.09.1999
Die unglaubliche Geschichte – Kreta in zehn Stunden – ein Rückblick.

Ein Rückblick auf einen Tag, dessen Ablauf ich in meinen kühnsten Träumen niemals für möglich gehalten habe und mein Leben lang nicht vergessen werde. Immerhin sollte es zwei Tage dauern, bis ich seelisch überhaupt in der Lage dazu war, dieses Erlebnis zu niederzuschreiben.

Eigentlich würden drei Worte ausreichen, das Unfassbare umfassend auszudrücken: Ankunft, Suchfahrt, Flucht. Aber das würde das Warum nicht erklären und deswegen ist dieser Bericht entstanden.

Wir schon geschrieben, ich konnte überhaupt nicht einschlafen, bis mindestens halb zwei Uhr lag ich wach. Um fünf Uhr klingelte dann der Wecker, ich war total kaputt, freute mich jedoch auf Kreta.
Langsam näherten wir uns dem Hafen von Iráklion, die Lichter der Stadt, dahinter die Silhouetten der Berge, die Müdigkeit wich hoffnungsfroher Erwartung.

Eine Stunde später legte die Fähre an, kurz vor sieben Uhr betraten wir erstmals im Leben kretischen Boden und machten uns sogleich auf den Weg nach Plakiás.

Rund eine dreiviertel Stunde irrte ich bei angehender Dämmerung durch diverse Vororte von Iráklion. Nach langer Suche fand ich auf dem Parkplatz eines Industriekomplexes endlich einen Griechen, der mir den Weg zur illegalen Autobahnauffahrt weisen konnte, nachdem ich zuvor nur Leute getroffen habe, die dem Griechischen oder Englischen nicht mächtig waren. Waren es die letzten nachtschwärmenden nicht Englisch sprechenden Touristen, oder Nichtgriechen, die ihre Frühschicht in den Hotelbunkern rechts und links der Straße antraten?

Das Befahren der illegalen Auffahrt sollte nicht der letzte Verkehrsverstoß für heute gewesen sein. Wenn mich die Polizei erwischt hätte, wäre zumindest in Deutschland der Lappen weg gewesen.

Auf der autobahnähnlichen Schnellstraße ging es kurvenreich bis Réthymnon. Von der Straße aus sahen wir die venezianische Festung der Stadt und wir witzelten, dass wir diesen Punkt bereits abhaken könnten. Wir konnten jedoch zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal im Ansatz ahnen, dass bereits die komplette Stadtbesichtigung von Réthymnon abgehakt war.

Die Abzweigung nach Plakiás war gut ausgeschildert, zügig fuhren wir durch die Berge zu unserem vermeintlichen Urlaubsort an der Südküste, den wir durch eine romantische Schlucht gegen neun Uhr erreichten.

Während der Fahrt bekamen wir Hunger, da wir auf dem Schiff nichts mehr essen konnten und machten Witze, daß wir uns im Castellios hinsetzen und lautstark „Hunger, Hunger, Hunger“ rufen würden. Hätten wir natürlich nicht wirklich gemacht!

In Plakias klapperten wir den Ort nach unserem Hotel ab, ich musste den Weg jedoch mehrmals erfragen, so versteckt lag das Anwesen in einer Seitengasse. Und was für ein Schock!!!

Wir fanden ein total überwuchertes Gebäude vor, die Gäste aßen ihr Frühstück aus Plastiktüten in einem ungepflegten Garten sitzend, der auf dem Bild großzügig erscheinende Hof war mit Autos zugeparkt und Tische und Stühle standen wild herum. Das Chaos nahm seinen Anfang.

Ich ging in den, mir vom Prospekt her als gepflegt bekannten, in Wirklichkeit jedoch sehr unaufgeräumten und dreckigen Frühstücksraum, wo ein Mann gerade beim Kaffee kochen war. Als ich ihn nach unseren Zimmern mit Meerblick fragte, sah er mich ungläubig an und meinte: „Zimmer, Meerblick, Fax, Reservierung, heute“?

Kurz und gut, der Typ wusste absolut nichts von einer Reservierung, nur dass er Herr Bikalakis war, das gab er zu. Ob ich das Fax dabei hätte, fragte er mich mürrisch, immerhin hatte ich ihn ja beim Kaffee kochen gestört.

Ich antwortete, dass es vielleicht im Wagen wäre und ich es holen wollte. Sprach’s, lief zum Auto, legte den Rückwärtsgang ein und war verschwunden. Nichts wie weg, denn auch ein Blick in das Hotelinnere versprach nichts Gutes und der Pool war genauso vergammelt wie der Rest des Anwesens.

Wir stellen zwar keine großen Ansprüche an unser Quartier, aber sauber und, wenn es geht, auch bezahlbar sollte es schon sein.

Das war’s dann wohl mit „Hunger, Hunger, Hunger“.

Da wir also immer noch nichts gegessen hatten, hieß es erst einmal, im Ort ein Frühstückslokal zu finden, um wenigstens die Magennerven zu beruhigen. Die beste aller Ehefrauen machte mir Vorwürfe, daß ich einfach verschwunden wäre, von wegen „no show“ und so, aber ich möchte nicht zwei Wochen in einer verwunschenen Gammelburg verbringen.

Im Hotel Neckermanthos Beach, das wir ebenfalls angeschrieben und für unsere Bedürfnisse als nicht geeignet befunden hatten, schauten uns die im Speisesaal sitzenden Neckermänner recht komisch an, also suchten wir weiter und nahmen im daneben liegenden Café das Frühstück ein.

Es sollte unser einziges Essen auf Kreta bleiben, nur, das wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Da sich niemand dafür zuständig fühlte, die Gäste nach deren Wünschen zu befragen, musste ich unsere Bestellung an der Theke im Inneren des Lokals aufgeben.

Auf meine Frage, ob es im Ort noch sehr viele Urlauber gäbe, erhielt ich keine Antwort, ich musste meine Frage auf Englisch wiederholen, die Antwort lautete kurz und prägnant „Yes“. Very friendly! Gab es auf Kreta eigentlich auch Kreter, außer Herrn Bikalakis.

Voller Zuversicht, in Plakias eine andere ansprechende Unterkunft zu finden, brachen wir auf und klapperten alle angeschriebenen Hotels des Ortes ab. Da uns aber keines so recht gefallen hat, beschlossen wir, nach Agía Galíni weiterzufahren.

Dies war unser erster großer Fehler, denn in Agia Galini war sowohl im Hotel Sunshine noch im daneben liegenden Irini-Mare ein Quartier für zwei Wochen zu finden. Im Sunshine hieß es, wir sollten am Nachmittag nochmals vorbei kommen oder anrufen, im Irini-Mare sagte uns die überaus nette Chefin, dass wir nur zwei Tage bleiben könnten und dann leider wieder ausziehen müssten, ausgebucht!

Auf nach Matala, aber, was für eine Enttäuschung, die Hotels am Ortsanfang von meterhohen Schilfwänden umgeben und der Ort selbst, na ja, Matala, einst Hochburg der Hippies hatte ich mir ganz anders vorgestellt.

Kein Problem, dachte ich, wir fahren einfach an die Nordküste weiter, dort gibt es ein Riesenangebot an Zimmern, so stand es zumindest im Reiseführer.

Fehler Nummer zwei.
Jetzt schon etwas flotter brauste ich über die kurvige Landstraße, Spíli – toller Brunnen, wenn wir ihn denn gesehen hätten -, Réthymnon nochmals von oben, dann Georgioúpolis, ein überlaufener und lauter Ort, nichts für uns. Eine Cola und ein Wasser, am Períptero gekauft, das war unser Mittagessen. Abgehakt!

An der Schnellstraße nach Iráklion klapperten wir verschiedene Luxusbunker ab, einer größer und teuerer als der andere. Die Preise bewegten sich zwischen einhundert und vierhundert Mark die Nacht. Bornierte Urlauber und Lärm von der Autobahn gab es gratis dazu, nein Danke, wieder nichts für uns, wir fuhren zurück Richtung Chaniá. Erste leichte Panik kam auf.

Als wir in Kalýves angekommen waren, hatte ich wieder ein gutes Gefühl. Ein kleiner Ort, abseits der Straße gelegen und wenige Menschen unterwegs, dazu der Hinweis aus dem Reiseführer, dass hier die Welt vom touristischen Standpunkt her gesehen noch einigermaßen in Ordnung wäre.

In der Ortsmitte fand ich ein schönes Hotel, das anscheinend nicht so viele Gäste hatte, zumindest saßen und lagen auf der Terrasse neben dem Pool rund fünf oder sechs Leute herum. In der Rezeption wurde ich eines Besseren belehrt, ab morgen wären Zimmer frei, aber nur bis Montag früh, dann käme eine tschechische Reisegruppe, die das ganze Hotel reserviert hätte. Wieder nichts, Mist!
Meine Hoffnung, in eine der Privatpensionen noch ein annehmbares Quartier zu finden, um die Nacht nicht am Strand verbringen zu müssen, zerschlug sich in der Pension „“Maria, Rooms to let“ am Ortsanfang gelegen. „Den echume domatia“, hieß es kurz und prägnant.

Als einige Häuser weiter auch nichts zu bekommen war, da die überall auf den Balkonen hängenden Handtücher die Vollbelegung der Häuser sichtbar anzeigten und wir auch nirgendwo jemanden erreichen konnten, der uns Rooms vermieten wollte, rief ich meinen Freund Dimitris (der kretische Wurzeln hat) an. Einfach so, ich wußte auch nicht, was ich mir von diesem Anruf versprach.

Dimitris konnte dies alles nicht glauben, er meinte leichtfertig 2warum kommst du nicht zurück, hier ist dein Zuhause“…

Zuerst war ich verdutzt, konnte mich aber schnell mit dem Gedanken an zwei weitere Wochen Peloponnes anfreunden, ich treffe meine Entscheidungen gelegentlich sehr spontan. Da meine Chefin sehr genervt und todmüde war, hätte sie sich mit allem einverstanden erklärt, Hauptsache etwas zum Essen und ein Bett für die Nacht. Und sei es auf der Fähre.

Auf meine Rückfrage, ob Dimitris das Angebot ernst meinte, erwiderte er nach einer kleinen Pause, dass er uns die Stammzimmer ab morgen reservieren könnte. Zuerst sollten wir jedoch nach Chaniá fahren, um im dortigen Hafenbüro der Minoan den Rückfahrttermin ändern zu lassen, dann sollte ich nochmals Bescheid geben.

Also auf nach Chaniá, das nur wenige Kilometer von Kalýves entfernt liegt. Leider gab es in Chaniá kein Minoan-Büro mehr, nur ein vergilbtes Schild „enoikiasete“ (zu vermieten) zeugte davon, dass hier einmal ein Büro gewesen sein musste. „Ich werde wahnsinnig“, nur so ein Gedanke.

In einem anderen, noch aktiven Reisebüro, wo ein Minoan-Prospekt auslag, sagte man mir, eine Umbuchung wäre „no problem“, nur müsste ich schnellstens nach Iráklion zurückfahren, da dort das Hauptbüro der Gesellschaft und eine Umbuchung nur dort möglich wäre.

Mittlerweile war es drei Uhr, die Zeit wurde knapp, da das Schiff in wenigen Stunden ablegen würde. Mit dem Gasfuß am Bodenblech flogen wir die rund 170 Kilometer unter Missachtung jeglicher Verkehrsregeln (ich war da nicht stolz drauf, aber es musste einfach sein) in unter eineinhalb Stunden bis in die Randbezirke der Hauptstadt. Meiner Mitreisenden war kotzübel und ich war fix und alle.

Um dreiviertel fünf Uhr erreichten wir trotz dichtem Feierabendverkehr in Iráklion den Hafen, ich hatte kaum noch Hoffnung, daß die Umbuchung kurz vor dem Einschiffungstermin noch klappen würde.

Doch überraschender Weise war das Einzige, was an diesem verfluchten Tag klappen sollte, die Änderung des Rückreisedatums, Mittwoch, 29.09.1999.

Der Rest ist schnell erzählt:
Im Hafen riß ich erst einmal frische Klamotten aus dem Koffer, da meine Sachen, die ich anhatte dreckig und völlig durchgeschwitzt waren. Wir hatten an diesem Tag weit über dreißig Grad und mein alter Audi 80 kannte das Wort Klimaanlage nur vom Hörensagen.

Dass dabei ein Teil des Gepäcks im Hafen verstreut wurde, war mir zu diesem Zeitpunkt völlig egal. Anschließend konnten wir sofort einschiffen.

Zuerst löschte ich meinen Durst mit einem eiskalten Cola in der Bar, bevor ich die dringend notwendige Dusche in der kleinen Kabine mit dem Doppelstockbett vornahm. Die Zeit bis zum Ablegen verbrachten wir in der Erste-Klasse-Bar, ich mochte gar nicht zusehen, wie wir die wunderschöne Insel nach nur zehn Stunden Aufenthalt verlassen mussten.

Um halb neun Uhr öffnete endlich das Restaurant, wir waren hungrig wie die Löwen, das letzte Essen hatten wir vor knapp zwölf Stunden. Eine französische Reisegruppe, die fast die kompletten Speisen zurückgehen ließ, hatte das Bordrestaurant so lange blockiert. Nach einem Drink in der überfüllten Deckbar waren wir bettreif und verzogen uns auf die Kabinen. Wir packten provisorisch den auf dem Bett liegenden Schiffskoffer zusammen, um uns überhaupt hinlegen zu können, nach vielleicht fünf Minuten war ich eingeschlafen. Am nächsten Tag sollte es schon wieder heißen: Fünf Uhr, Aufstehen! So ist Urlaub individuell!

Das waren unsere ersten Erfahrungen mit Kreta.

Kreta in zehn Stunden – ein Tagesausflug der besonderen Art. So wie andere über das Wochenende zum Skifahren in die Berge gehen, legen wir kurzerhand weit über zweitausend Kilometer bis ans Ende Europas für nicht einmal einen Tag zurück. Wahnsinn, und das ist noch untertrieben.

Was am Vormittag noch als Witz gedacht war, fand am Abend seine Erfüllung. Das Ida-Gebirge, die Weißen Berge, die Halbinsel Gramvousa und Réthymnon mit seiner venezianischen Festung haben wir von der Autobahn, die Häfen von Chaniá und Iráklion von ganz nah, die Wasserspeier von Spíli im Vorbeifahren, Plakiás, Agía Galíni, Mátala, Georgioúpolis und Kalýves vom Hin- und Herfahren gesehen sowie das Kloster Arkádi, Festós und Knossós auf den teils zerschossenen Verkehrsschildern zumindest gelesen.

Am Ende dieses Tages, nach rund fünfhundert schweißtreibenden Autokilometern, hatte ich mir geschworen, keinen Fuß mehr auf diese Erde zu setzen, jetzt zwei Tage später, schwöre ich mir, noch einmal wiederzukehren, zu wundervoll ist diese Insel, als dass man sie nicht näher kennenlernen sollte.

Der Reinfall des Jahrhunderts ist vorbei, wir kommen wieder, schon alleine deshalb, da wir nicht ein einziges Foto auf Kreta gemacht haben. Und das ist kein Wunschdenken, sondern ein Versprechen.

Nachsatz
Und wir haben unser Versprechen gehalten, nicht nur einmal, sondern jedes Jahr immer wieder aufs Neue.

Das ist der Kreta-Virus.

Obwohl – Kreta hatte uns auch in den nächsten Jahren noch nicht richtig lieb, Benzinstreik, Fähruntergang und Autopanne, aber das sind schon wieder andere wahre Geschichten von uns und dem Kontinent zwischen Europa und Afrika.
Von Armin G.

Das Geschenk von Zeus an die Europäer

Zeus hatte schlechte Laune. Wenn er vom Olymp hinunter auf sein geliebtes Griechenland schaute, fiel ihm auf, dass die Griechen es mit der Moral immer weniger genau nahmen. Sie gingen fremd wie die Weltmeister. Nicht dass Zeus darin nicht selbst genug Erfahrung hatte, aber er war der Meinung, dass er der einzige sein sollte, der dazu ein Recht hatte.

Eines Tages platzte ihm der Kragen und er ließ den Götterboten, den kleinen Hermes, zu sich rufen.
„Hermes, ich möchte es jetzt genau wissen! Mach mal einen Ausflug durch Griechenland … oder besser durch ganz Europa und erstatte mir Bericht, was da unten so los ist. Die Sitten scheinen ja ziemlich locker geworden zu sein!“

Hermes kehrte erst nach Wochen zurück und er brachte keine gute Kunde mit:
„Chefchen, mindestens 98% aller Europäer sind untreu!“
„Mein Ich,“ stammelte Zeus, außer sich vor Zorn.
„Da sollte doch ich doch mal mit Feuer und Blitz unter die Menschen fahren.“
„Meinst du, das bringt’s“, erwiderte Hermes zweifelnd.

Zeus dachte nach und beruhigte sich wieder ein wenig.
„Na gut, geben wir ihnen eine Chance. Du gehst wieder runter und überzeugst all die losen Vögel da unten, dass es so nicht weitergeht. Sonst mache ich ihnen Dampf, aber hallo!“
Hermes war entsetzt. Jetzt war er gerade erst von der beschwerlichen Reise zurück gekommen, und nun sollte er 98% aller Europäer bekehren. Das würde eine Heidenarbeit werden. Das musste doch nicht sein!

„Zeusi … wie wäre es denn, wenn wir es anders herum probieren? Warum machst du nicht allen anständigen Europäern ein kleines Geschenk. Das spornt die anderen vielleicht an, auch wieder ein bisschen anständiger zu werden?“
Und es ist nicht halb so viel Arbeit für mich, setzte er in Gedanken hinzu.

Nach einigem Grummeln sah Zeus ein, dass der Vorschlag ganz vernünftig schien.
Also ließ er einige hübsche Geschenkpäckchen packen, die Hermes mit Hilfe der gleichnamigen Firma unter die anständigen Menschen in Europa bringen sollte.
Hermes freute sich sehr, dass er viel Mühe gespart hatte und erledigte die Aufgabe im Handumdrehen … und die anständigen Menschen freuten sich und erzählten es den anderen.